Drückjagd
Liebe Mitglieder,
aktuell kursiert/e in den sozialen Medien ein Video aus einer Drückjagdsituation, zu dem es bereits zahlreiche Stellungnahmen gibt. Ich möchte mich dazu ausdrücklich nicht äußern – weder zur Einordnung noch zur Bewertung. Mir ist wichtig, dass wir aus der Diskussion eine sachliche, praxisnahe Handlungsregel für unsere eigenen Jagden und Hunde ableiten.
Unabhängig vom Anlass gilt: Hunde sind ein zentraler Bestandteil unserer Jagdausübung – ob Einzeljagd, Vorstehjagd, Nachsuche oder Drückjagd. Zugleich kann es vorkommen, dass ein Hund sich während einer Drückjagd/Jagd auffällig verhält (z. B. dauerhaft am Stand bleibt, untypisch wirkt, sich wiederholt in Pfützen legt oder sogar auf/bei Eisstellen abkühlt). Ein solches Verhalten kann – muss nicht – auf Überhitzung, Krankheit oder Verletzung hindeuten. In solchen Fällen ist besonnenes und koordiniertes Vorgehen entscheidend.
Handlungsempfehlung für den Stand (Drückjagd)
1) Auffälliges Verhalten erkennen und ernst nehmen
Wenn ein Hund sich offensichtlich unnormal verhält (z. B. apathisch, stark hechelnd, unsicher, dauerhaft am Stand, legt sich gezielt ins Wasser/auf kalte Stellen), bitte nicht ignorieren.
2) Jagdleiter informieren – zuerst abstimmen
Ruft den Jagdleiter an, schildert kurz und sachlich:
Standort/Standnummer
Verhalten des Hundes
eure Einschätzung: „Hund wirkt krank/verletzt/überhitzt“ bzw. „stört die Jagd / bleibt dauerhaft am Stand“
Wichtig: Verlasst den Stand nicht eigenmächtig, sondern bittet um Freigabe, den Stand kurz zu verlassen bzw. den Hund zu sichern.
Oder Jagdleiter kommt selbst
3) Nach Freigabe: Hund kontrollieren und sichern (sicherheitsbewusst!)
Wenn der Jagdleiter zustimmt:
vorsichtig annähern (Eigenschutz, Waffe sichern, Umfeld beachten)
Hund auf sichtbare Verletzungen/Überhitzungszeichen prüfen, erste Hilfe leisten,
raus aus der Gefahrenzone
falls möglich: Hund sichern/mitnehmen an euren Stand bzw. zu einem sicheren Punkt
Wenn nicht möglich, Hund verletzt unverzüglich Jagdleiter informieren
4) Hundeführer kontaktieren
Hundepfoten/Schutzweste/Tracker/Marke prüfen: Telefonnummer/Name
Hundeführer anrufen und informieren:
wo ihr seid
wie der Hund sich verhalten hat
dass ihr den Hund ggf. gesichert habt / bei euch am Stand habt
5) Jagdleiter kontaktieren
Info über Sachstand, Sicherung Hund und Rückkehr Stand, als auch Info an Hundeführer
6) Sicherheit und Jagdablauf haben Vorrang
Alles Vorgehen erfolgt so, dass Standruhe, Schusssicherheit und Jagdorganisation gewahrt bleiben. Keine Alleingänge, keine Eskalation, kein „Diskutieren vor Ort“ – koordinieren, melden, sichern.
Wenn wir diese Schritte einhalten, helfen wir im Zweifel dem Hund, entlasten den Hundeführer und halten zugleich den Jagdbetrieb sicher und geordnet.
Vielen Dank fürs Mitdenken und fürs verantwortungsvolle Handeln im Revier.
Euer
Vorstand
Information zur Aujeszkyschen Krankheit (Pseudowut) – Risiko für Jagdhunde
Aktuell kursieren viele Informationen zur Aujeszkyschen Krankheit (auch „Pseudowut“ genannt) bei Wildschweinen – und leider gibt es auch immer wieder Meldungen über Todesfälle bei Hunden nach Kontakt mit infizierten Stücken. Deshalb möchten wir euch verständlich informieren, worum es sich handelt und worauf ihr achten solltet.
Was ist die Aujeszkysche Krankheit?
Die Aujeszkysche Krankheit ist eine durch ein Herpesvirus (Suid herpesvirus 1) verursachte Erkrankung, die vor allem Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft. Schweine können das Virus in sich tragen und ausscheiden – oft auch ohne deutlich krank zu wirken. Für Hunde (und andere Carnivoren wie z. B. Katzen) verläuft eine Infektion jedoch nahezu immer tödlich.
Wie wird sie übertragen?
Das Virus wird bei Wild- und Hausschweinen vor allem über Körperflüssigkeiten, Sekrete sowie Gewebe übertragen. Für den Jagdhund ist das Risiko besonders dann hoch, wenn er direkten Kontakt zu Wildschweinmaterial hat.
Andere Wildtiere können sich zwar anstecken, z. B. Fuchs und andere Fleischfresser (auch Hund/Katze) oder teils Wiederkäuer – aber diese Tiere sind in der Regel „Fehlwirte“: Sie erkranken schwer (bei Hund/Katze fast immer tödlich) und spielen normalerweise keine Rolle als dauerhafte Virusquelle wie das Schwein.
Wie kann der Hund sich anstecken?
Die Ansteckung beim Hund erfolgt typischerweise durch:
Aufnahme von rohem Wildschweinfleisch oder Innereien (auch kleine Mengen reichen aus),
Kontakt mit Blut, Aufbruch, Speichel oder anderen Wildschweinresten,
Belecken/Benagen von Decken, Schwarte, Knochen, Läufen oder kontaminierten Gegenständen,
Kontakt am Stück (z. B. beim Stellen, Packen, Zerren – besonders wenn der Hund Wunden im Fang hat).
Wichtig: Eine Übertragung von Hund zu Hund ist nach aktuellem Wissensstand nicht der typische Weg – das Hauptrisiko ist der direkte Bezug zum Wildschwein bzw. dessen Material.
Erste Symptome beim Hund
Die Krankheit bricht beim Hund sehr schnell aus (häufig innerhalb weniger Stunden bis 1–2 Tagen nach Kontakt). Typische Frühzeichen sind:
Unruhe, Angst, starkes Hecheln, teils „wie panisch“ wirkend,
starker Juckreiz, oft besonders im Kopf-/Halsbereich (Kratzen, Scheuern, „außer sich“),
Speicheln, Schluckbeschwerden, teils Würgen,
Fieber, Mattigkeit, später neurologische Ausfälle (Taumeln, Krämpfe, Lähmungen).
Leider verschlechtert sich der Zustand in der Regel sehr rasch. Wenn nach Wildschweinkontakt solche Symptome auftreten, ist das ein akuter Notfall: bitte sofort tierärztlich vorstellen und den möglichen Wildschweinkontakt unbedingt erwähnen.
Aktuelle Lage in Sachsen (letzte 6 Monate)
Für Sachsen werden Wildschweinproben im Rahmen des Monitorings u. a. auch auf AK untersucht (u. a. über das „Sächsische Wildmonitoring (SWM)“). Allerdings veröffentlichen die zuständigen sächsischen Stellen nach außen in der Regel keine fortlaufende, landkreisgenaue Übersicht der AK-Nachweise bei Schwarzwild (zumindest keine öffentlich leicht zugängliche Liste/Karte für die letzten 6 Monate). Daher kann ich euch hier keine belastbare Aufzählung konkreter Regionen/Landkreise nennen. Praktisch heißt das: Wir sollten grundsätzlich sachsenweit von einem bestehenden Risiko ausgehen und entsprechend vorsichtig handeln. (Wer für sein Revier/Umfeld konkrete Informationen braucht, bekommt diese am verlässlichsten über das zuständige Veterinäramt.)
Aktuelle Lage / Blick nach Sachsen-Anhalt (inkl. LK Wittenberg)
Auch in Sachsen-Anhalt wird Schwarzwild im Rahmen des Wildtiermonitorings u. a. auf die Aujeszkysche Krankheit untersucht; das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) veröffentlicht dazu regelmäßige Übersichten/Karten. In der aktuellen, veröffentlichten Jahresübersicht 2024 (Datenlage 01.01.2024–31.12.2024; Stand 18.01.2025) werden Untersuchungen nach Landkreisen/kreisfreien Städten dargestellt – dabei ist „WB“ (Landkreis Wittenberg) explizit in der Landkreis-Auflistung enthalten, und es sind in der Darstellung auch positive Untersuchungsergebnisse ausgewiesen.
Wer häufig grenznah jagt oder Stücke/Material aus Sachsen-Anhalt (z. B. Raum Wittenberg) verarbeitet, sollte daher die Schutzmaßnahmen genauso streng anwenden wie bei uns. (Die LAV-Übersichten sind öffentlich abrufbar.)
Nach der Jagd: einfache Hygieneroutine
Wenn Hund Kontakt am Stück hatte:
Fang/Schnautze mit Wasser reinigen,
Wunden/Schrammen anschauen (vor allem im Fangbereich),
Hände/ Messer/ Leinen/ Handschuhe sauber halten (separat transportieren, was verschmutzt ist).
Kontaminierte Leine/Schlepp nicht ins Auto/ins Haus „mitnehmen und später“ – kurz abspülen reicht oft schon als Minimierung.
Training, das wirklich hilft (2–3 kurze Einheiten, regelmäßig)
Bombenfestes „Aus!“ / „Lass!“ (auch bei Wildgeruch).
Abbruchsignal (z. B. Pfiff + sofortiger Rückruf auf hohe Belohnung).
Impulskontrolle am Kadaverersatz (z. B. Wilddecke-Attrappe/Schwarte-Imitat): ansehen ja, aufnehmen nein.
Ihr erkennt wie wichtig der Gehorsam ist.
Passt bitte besonders in der aktuellen Lage auf eure Hunde auf, insbesondere beim Aufbrechen, Bergen und Versorgen von Schwarzwild sowie bei allem, was der Hund aufnehmen oder ablecken könnte.
Fachvortrag 30.09.2025 - Tierklinik Panitzsch
Krankheitsbilder bei jagdlicher Führung und Erste-Hilfe-Maßnahmen
Vielen Dank an Frau Dr. Kühn und den geduldigen Einar Karlsonson
Was zeichnet uns aus?
Wir sind erfahren, verlässlich sowie fokussiert auf gute Ergebnisse und wissen es zu schätzen, mit großartigen Kunden zusammenzuarbeiten.